Einführung: Haiga 2025

Das Vorhaben
Im Jahr 2025 schrieb ich jeden Sonntag ein Haiku. Und ich machte ebenfalls jeden Sonntag eine Frottage auf einem 20 x 20 cm großen offenporigen Werkdruckpapier (170 gr./qm). Das Haiku setzte ich handschriftlich auf ein weißes rechteckiges Stück Papier, das in die Frottage montiert wurde. So entstanden 52 Haigas.
Die Haikus sagen etwas vom Mich-erfassen-Lassen vom Augenblick in einer ganz bestimmten Situation an eben jenem Sonntag. Und die Frottagen zeigen die Materialität an diesen Orten. Text und Bild (Haiku und Frottage) entstanden dennoch nicht in Bezug zueinander. Als ganze wirken die Haigas wie kleine Sonntagsuniversen.

Haiku und Haiga
Ein Haiku selbst will nichts sagen, er ist nicht mit Sinn getränkt, setzt keine übereinander gelagerten Sinnschichten wie die westliche Poesie. Es fängt Augenblicke ein, da die Sprache endet. Ein Haiku beschreibt nicht/s, es ist ein absoluter Akzent ohne jede Entwicklung, ein Blitz, der nichts enthüllt. Wie ein Kind „da!“ sagt, zeigt das Haiku etwas, aber eben nichts Besonderes. Es dokumentiert ein Erwachen vor, ein Ergriffensein von der Tatsache, nicht von deren Substanz. Ein Haiku ist: ein leichter Schnitt in die Zeit gezogen.
Und auch das Bildhafte des Haiga basiert auf diesen Prinzipien: dem Wahrnehmen im Moment und im bildnerischen Tun.

Danke
Danken möchte ich meiner Kollegin Barbara Sturm, mit der ich in Freundschaft verbunden bin und die mich angesteckt hat mit ihren Leidenschaften für Frottage und Haiku, sowie meinem Lebensgefährten und Grafiker Uli Ahrend (satzmanufaktur.net), der das Haptisch-Analoge digital sicht- und erfahrbar gemacht hat.
Und Roland Barthes, der mir (jenseits meiner eigenen Praxis) ein tieferes Verständnis für Haikus ermöglicht hat.

Literatur
Alers, Kirsten (2023): s wie Silbchen, wie siebzehn, wie sabi. Kaufungen: Wortwechsel, edition kreatives schreiben
Barthes, Roland (1981; Orig. 1970): Das Reich der Zeichen. Frankfurt: edition suhrkamp