Kirsten Alers
Schreibpädagogin seit 1993
Diplompädagogin
Literacy Manager
Journalistin

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Neuerscheinung

Schreiben wir! Eine Schreibgruppenpädagogik
Erschienen im Schneider Verlag, Hohengehren, im September 2016

Schreib-Blog  

16. Oktober 2017
for action, in action,
on action

Schreiben als Reflexive Praxis 3

Schreiben kann ich auch nutzen, um meine Handlungen zu reflektieren. Schreiben als Reflexive Praxis (oder besser ausgedrückt: als reflektierende Praxis) hat eine lange Tradition, vor allem im pädagogischen oder sozialarbeiterischen Berufsfeld, in dem es notwendiger ist als in manch anderem Berufsfeld, sich und die eigenen Handlungen selbstkritisch zu betrachten. Für alle, die pädagogisch oder sozialarbeiterisch tätig sind (und natürlich auch für alle ansonsten an kritischer Selbstreflexion Interessierte) stelle ich hier das Konzept des US-amerikanischen Philosoph und Professor der Stadtplanung am Massachusetts Institute of Technology Donald Schön. In seiner Handlungs­theorie wendet sich Schön (1930–1997), auf den der Begriff reflective practice zurückgeht, mit dem Positivismusvorwurf gegen die Dominanz technischer Rationalität (John Deweys ,Schüler’). Er unterscheidet in seinem 1983 erschienenen Werk The Reflective Practitioner: How professionals think in action, in dem er auf das Problemlöseverhalten hochqualifizierter Berufsgruppen fokussiert, drei Handlungsmodi bzw. Phasen Reflexiver Praxis (vgl. Roters 118f.):

  1. reflexion-for-action: Das ist die Reflexion im Davor, in der Planungsphase.
  2. reflexion-in-action: Das ist das spontane oder bewusste Einnehmen einer ,Vogelperspektive’ in der konkreten Praxis, um möglicherweise diese sofort zu modifizieren.
  3. reflexion-on-action: Das ist ein Innehalten im Danach; hier werden drei fragen gestellt: Was hat funktioniert? Was nicht und warum nicht? Welche Konsequenzen können für das nächste Mal gezogen werden? Mit diesen Fragen geht man dann zurück zu Phase 1.

Dieses auf den Gesamtprozess bewusster (pädagogischer) Handlung ausgerichtete Konzept Reflexiver Praxis geht u. a. davon aus, dass die handelnde Person bereit ist, Unsicherheiten in der Praxis auszuhalten, erst einmal bei Irritationen zu einem Problemverständnis (framing) zu kommen, ohne sofort nach den einfachen oder nahe liegenden Lösungen zu greifen. Gerade die Reflexionsfähigkeit im Raum des routinelosen unbekannten Settings macht nach Schön Professionalität aus.
Im Prozess des problem (re)framing wird das implizite Wissen reflektiert, damit ist gemeint, einen kritischen Dialog mit eigenen Vorannahmen, mit der eigenen Praxis und deren theoretischen Begründungen zu führen. Er schlägt für die von ihm besonders fokussierten reflektierenden Praktiker einen Dreischritt vor:

  1. Beobachtung unserer Erfahrung,
  2. Verbindung dieser mit unseren Gefühlen,
  3. In-Bezug-Setzen zu unseren Theorien (vgl. Studer/Jannuzzo 2015: 125).

Ziel der Reflexiven Praxis ist für Schön: „Learning how one reflects-in-action and reflects-on-action by the framing and reframing indeterminate situations“ (MacKinnon/Erickson 1988, zit. nach Roters 2012: 121). Nicht die eine Lösung zu finden, ist das Ziel, sondern das Problem aus verschiedenen Perspektiven betrachten zu können.

Vielleicht ist es ja ein lohnendes Experiment, dich auf diesen schreibenden Reflexionsprozess einzulassen.

Literatur
Honegger, Monique / Ammann, Daniel / Hermann, Thomas (2015): Schreiben und Reflektieren. Denkspuren zwischen Lernweg und Leerlauf. Bern: hep verlag Roters, Bianca (2012): Professionalisierung durch Reflexion in der Lehrerbildung. Eine empirische Studie an einer deutschen und einer US-amerikanischen Universität. Münster u. a.: Waxmann Studer, Patrick / Jannuzzo, Diego (2015): Reflexive Praktiken in technischen Studiengängen. Das Lernjournal. In: Honegger/Ammann/Hermann: 124–136


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