Kirsten Alers
Schreibpädagogin seit 1993
Diplompädagogin
Literacy Manager
Journalistin

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... eine Gruppe Gleichgesinnter in Sachen Schreiben.
Sie stocken in der Mitte einer Facharbeit oder einer Kurzgeschichte.
Sie müssen für Ihre Firma einen Homepagetext entwickeln.
Sie brauchen einen Flyer für Ihre Öffentlichkeitsarbeit.
Sie sollen für Ihre Abschlussarbeit ein Exposé schreiben.
Sie träumen davon, ein Kinderbuch oder eine Autobiografie zu schreiben.
Sie wollen schreibend äußere und innere Landschaften erkunden.
Sie möchten Methoden gegen Schreibblockaden kennen lernen.
Sie brauchen Hilfe bei der Textkorrektur.
Sie glauben, dass es Zeit ist, mit dem Schreiben zu beginnen.

Fachbuch zur Schreibgruppenpädagogik

Kirsten Alers
Schreiben wir! Eine Schreibgruppenpädagogik
Erschienen im Schneider Verlag, Hohengehren, 2. Auflage 2018

Schreib-Blog  

16. Juli 2018
Nach dem Fußball
Von der Entdeckung einer französischen Autorin

Gestern ist die Männer-Fußballmannschaft aus Frankreich Fußball-Weltmeister geworden. Viele freuen sich, mir ist das ziemlich egal (wäre es auch, wäre es eine deutsche Mannschaft), aber natürlich gönne ich den vielen Begeisterten ihre Begeisterung. Mich begeistern andere Dinge – deshalb gibt es ja auch nicht nur Fußball-Stadien und Fußball-Zeitschriften, sondern auch Verlage, ÜbersetzerInnen und Bücher, vor allem die. Und auch welche aus Frankreich bzw. von französischen AutorInnen.
Eigentlich lese ich selten übersetzte Werke, aber dieses Mal machte ich eine Ausnahme und wurde belohnt. Ich las Die Jahre von einer der wohl aktuell hochgelobtesten französischen SchriftstellerInnen: Annie Ernaux. Ich kannte sie nicht, bevor die Teilnehmerinnen eines Workshops im Juni mir eben jenes Buch Die Jahre schenkten. „Alle Bilder werden verschwinden.“ Das ist der erste Satz. Und dann eine Aufzählung, seitenlang, der Bilder, die verschwinden werden, ihre Bilder, die präsent, die bedeutsam sind, persönliche, aber auch universelle. Mit ihr, der Autorin und Erzählerin und Protagonistin, werden sie alle verschwinden in ihrer ganz speziellen Färbung. Wenn sie nicht schreibt. „Etwas von der Zeit retten, in der man nie wieder sein wird.“ Das ist der letzte Satz. Schreibend etwas retten von der Zeit. Die ihre war, die meine, unsere war.
Annie Ernaux ist 1940 geboren und nimmt die LeserInnen mit durch nahezu 70 Jahre Geschichte. Geschichte der Suche, des Widerstands, der Begegnungen, der Transformationen, des Scheiterns und Hoffens. Obwohl ich immer mal wieder zwischendurch dachte, ich hätte jetzt gern als Referenz den deutschen Ort, das deutsche Buch, die deutschen PolitikerInnen anstatt der französischen, die ich oft nicht kannte, hat mich diese Art, Autobiografisches mit Zeitgeschehen zu verknüpfen nicht zuletzt deshalb fasziniert, weil die Autorin mich mit ihren Stil, der manches Mal an freies Assoziieren, an ein Schreiben des Bewusstseinsstroms erinnert, zu meinen scheint. Als säßen wir uns gegenüber und ich hörte zu, streute mein Leben dazwischen, verstünde. Verstünde, wie Anderen das Leben gelingt, wie sie es jenseits des Mainstreams gestalten oder darin herumstolpern, als sei es nicht ihr eigenes und einziges ...

Ernaux, Annie (2018): Die Jahre. Roman, 5. Auflage. Berlin: Bibliothek Suhrkamp (Original 2008)


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