Sie suchen ...

... eine Gruppe Gleichgesinnter in Sachen Schreiben.
Sie träumen davon, ein Kinderbuch oder eine Autobiografie zu schreiben.
Sie wollen schreibend äußere und innere Landschaften erkunden.
Sie stocken in der Mitte einer Facharbeit oder einer Kurzgeschichte.
Sie müssen für Ihre Firma einen Homepagetext entwickeln.
Sie brauchen einen Flyer für Ihre Öffentlichkeitsarbeit.
Sie sollen für Ihre Abschlussarbeit ein Exposé schreiben.
Sie möchten Methoden gegen Schreibprobleme kennen lernen.
Sie brauchen Hilfe bei der Textkorrektur.
Sie möchten alle Gebrauchsmöglichkeiten des Wortes kennen lernen.
Sie glauben, dass es Zeit ist, mit dem Schreiben zu beginnen.

Kirsten Alers

Schreibpädagogin seit 1993
Diplompädagogin
Literacy Manager
Journalistin

Fachbuch zur Schreibgruppen­pädagogik

Kirsten Alers: Schreiben wir! Eine Schreibgruppenpädagogik
Erschienen im Schneider Verlag Hohengehren
2. korrigierte Auflage 2018, ISBN 978-3-8340-1874-8


Schreib-Blog

19. Januar 2022

Das Schöne und das Biestige

Warum Ästhetik nicht immer hilft

Zu Weihnachten bekam ich zwei Bücher geschenkt, über die ich mich (zuerst) sehr freute, dachte ich doch: Klasse, endlich mal nicht irgendeinen Roman, den ich entweder schon kenne oder den ich sowieso nicht lesen werde. Sondern Bücher zum Thema Schreiben, die ich noch nicht kannte, von zudem von mir sehr geschätzten Autorinnen und in haptisch und optisch sehr ansprechende Aufmachung. Hach!
Ich bekam von Doris Dörrie Einladung zum Schreiben (Diogenes 2021), feines handliches Format, gebunden in rotem Leinen. Ich bekam von Silke Heimes ich schreibe mich gesund (dtv 2021), besonderes Zwischenformat mit in Gold geprägtem Titel. Ich strich über die Einbände – wie ich mich immer freue, wenn ich etwas Neues in Sachen (Kreatives) Schreiben in den Händen halte! Und ich schlug das erste auf, und ich schlug das zweite auf – und sank enttäuscht ins Sofaeck. Dutzende Seiten, auf denen ausschließlich Linien bzw. die modernen quadratisch angeordneten Pünkelchen zu sehen sind. Dazwischen kurze Textchen, Schreibimpulse.
Ich wusste sofort, dass ich niemals etwas in diese Bücher hineinschreiben würde. Ich wusste aber auch sofort, dass ich sie niemandem weiterschenken würde. Denn ich weiß aus Erfahrung, dass sie leer bleiben. Auch wenn der eine Titel mit dem Wort Einladung lockt und der andere mit dem Versprechen, sich gesund schreiben zu können (dazu könnte jetzt auch viel Kritisches angemerkt werden) – solche Bücher werden nicht zum Schreiben benutzt. Jedenfalls nicht zum Hineinschreiben. Das hat m. E. folgenden Grund:
Überall werden wunderschöne Kladden, Hefte, Papiere angeboten, die zum Schreiben einladen sollen. Das tun sie … auch. Vor allem aber halten sie sehr viele Menschen vom Schreiben ab. Da funkeln Pailletten auf dem leinenen Einband, da ist dieses schöne glatte (oder gar handgeschöpfte) Papier, da sind die vielen leeren Seiten … In solch ein kostbares Ding dürfen nur gewichtige Worte, kluge Sätze, auf ewig gültige Botschaften – das sagte mein innerer Zensor, als ich 13 war und ein quadratisches, in rotes Leder eingebundenes Tagebuch mit Schloss und mit sehr glatten, für Schönschrift mit Füller bestens geeigneten Seiten mit abgerundeten Ecken geschenkt bekommen hatte und meine ersten Tagebuchversuche machte. Und ich gab nach drei Tagen das Schreiben, das nicht direkt schulisch geforderte (Aufsätze) oder elterlich animierte (Reisetagebuch) oder kommunikative (Briefe an Oma und Opa) oder journalistische (Artikel für Alternativzeitungen) Schreiben für lange Jahre wieder auf. Als ich mit Anfang 30 wieder anfing, griff ich zum Schmierpapier (Fehldrucke, Makulatur etc.) – und schrieb schnell, strich aus, schrieb drüber und drunter und machte Sternchen und strich noch mehr und war beseelt wie nie bei irgendeiner Tätigkeit je.
Selbstverständlich sollte das Papier glatt sein und den Stift nicht am Fließen hindern. Auch kann es Spaß machen und hilfreich sein, mit dem Format zu experimentieren, denn ein DIN A3-Blatt wirkt anders als ein post-it-großes Zettelchen.
Die (materielle) Umgebung ist wichtig, aber nicht entscheidend. Einen idealen Ort, eine ideale Zeit, ein ideales Schreibgerät, ein ideales Papier, die idealen Stimulanzien (Kaffee, Schokolade, Joint) gibt es niemals, wie es tatsächlich manche Schreibratgeber suggerieren – und auch die beiden Bücher von Dörrie und Heimes. Wichtig ist, dass etwas in Fluss kommt, dass etwas zu Papier kommt, dass nichts hemmt – schon gar nicht das Psychologische, das durch die Ästhetik eben in unguter Weise angestochen werden kann.

P.S. Zum Sinn der Schreibimpulse in den beiden Weihnachtsgeschenkbüchern habe ich mich hier bewusst nicht geäußert.

Alle Blog-Beiträge