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... eine Gruppe Gleichgesinnter in Sachen Schreiben.
Sie träumen davon, ein Kinderbuch oder eine Autobiografie zu schreiben.
Sie wollen schreibend äußere und innere Landschaften erkunden.
Sie stocken in der Mitte einer Facharbeit oder einer Kurzgeschichte.
Sie müssen für Ihre Firma einen Homepagetext entwickeln.
Sie brauchen einen Flyer für Ihre Öffentlichkeitsarbeit.
Sie sollen für Ihre Abschlussarbeit ein Exposé schreiben.
Sie möchten Methoden gegen Schreibprobleme kennen lernen.
Sie brauchen Hilfe bei der Textkorrektur.
Sie möchten alle Gebrauchsmöglichkeiten des Wortes kennen lernen.
Sie glauben, dass es Zeit ist, mit dem Schreiben zu beginnen.

Kirsten Alers

Schreibpädagogin seit 1993
Diplompädagogin
Literacy Manager
Journalistin

Fachbuch zur Schreibgruppen­pädagogik

Kirsten Alers: Schreiben wir! Eine Schreibgruppenpädagogik
Erschienen im Schneider Verlag Hohengehren
2. korrigierte Auflage 2018, ISBN 978-3-8340-1874-8


Schreib-Blog

23. November 2020

Bin ich eingeboren?

Das Unbehagen in den Begriffen

Durch die Protest- und Widerstandsbewegung BlackLivesMatter bin ich aufmerksamer geworden bezüglich all der Formen des Rassismus, die mir tagtäglich begegnen – bei anderen Menschen und bei mir. In den Kontexten, in denen ich mich bewege, habe ich es mit allen drei Ebenen des Rassismus zu tun, die in der Literatur unterschieden werden: Alltäglicher Rassismus begegnet mir in der Straßenbahn, den Schreibwerkstätten, Familiengesprächen, beim Sport; institutioneller Rassismus begegnet mir in den Strukturen und Curricula der Bildungsinstitutionen, in denen ich selbst unterrichte und mit denen ich über andere Menschen in Kontakt bin; und epistemischer Rassismus begegnet mir überall dort, wo ich lese und denke.
Ich äußere mich immer, wenn ich auf Rassismus in realen Begegnungen treffe. Auch wenn ich nicht weiß, ob die anderen Personen zuhören, verstehen, innehalten oder gar etwas ändern. Einfach nur, um etwas dagegen zu stellen. Eine andere Sicht auf die Dinge. „Man kann das auch anders sehen“, ist einer der Sätze, die ich seit Jahrzehnten in allen möglichen Kontexten benutze. Vielleicht einfach erst einmal nur, um zu stören, die vermeintlichen Gewissheiten, die Selbstverliebtheit, die Machtansprüche. Und auch, um überhaupt etwas mehr zu tun, als ab und zu zu spenden.
Aber jetzt, durch das im öffentlichen Raum wieder präsentere Thema in den USA und in Deutschland (existiert hat es ja immer), suche ich auch bewusster nach Begriffen. Denn ganz im Gegensatz zu vielen Menschen in meiner Umgebung halte ich eine korrekte Sprache für notwendig: Einerseits verändert sich ja nicht nur die Welt und in Folge die Sprache, sondern wir schauen auch anders auf die Welt, machen uns ein anderes Bild von ihr, je nachdem, ob wir – nur um ein Beispiel zu nennen – Nigger oder Afrodeutsche oder persons of colour sagen oder hören. Andererseits will ich auch wissen, wie die Menschen, die mit Rassismus konfrontiert sind, sich selbst bezeichnet haben möchten, denn auch ich möchte meine Selbstbezeichnung bestimmen können; so forderte ich schon vor Jahrzehnten, dass in meinem Abschlusszeugnis nicht stand – um auch hier ein Beispiel zu nennen: „… darf den Titel des Diplompädagogen tragen“ (leider steht es da immer noch so, in modernen Zeugnissen hoffentlich nicht mehr).
Nun habe ich mich also gefragt, wie ich mich denn nennen soll, wenn ich sagen möchte, dass und warum ich keine eigenen Rassismuserfahrungen habe. Den Begriff biodeutsch fand ich zuerst ganz witzig – dann erfuhr ich, dass er zwar vor vielen Jahren erstmalig von Cem Özdemir benutzt wurde, aber heutzutage von BiologistInnen und rechtslastigen Gruppierungen besetzt ist; zudem besagt der Begriff ja nun auch nicht, dass ich weiß bin. Da ich die Bezeichnung Deutsche ohne Migrationsgeschichte/-hintergrund zu umständlich finde, fragte ich meine Kollegin Nadja Damm (sie hat eine große Expertise bzgl. diskriminierungssensibler Sprache). Sie wies mich darauf hin, dass es ja auf den Kontext ankäme, in dem ich mich selbst bezeichne, welcher Begriff passt.
So also kann ich mich wohl manchmal einfach als weiße Deutsche, manchmal als Herkunftsdeutsche und ganz manchmal vielleicht gar als eingeborene (autochthone) Deutsche bezeichnen.

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