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... eine Gruppe Gleichgesinnter in Sachen Schreiben.
Sie träumen davon, ein Kinderbuch oder eine Autobiografie zu schreiben.
Sie wollen schreibend äußere und innere Landschaften erkunden.
Sie stocken in der Mitte einer Facharbeit oder einer Kurzgeschichte.
Sie müssen für Ihre Firma einen Homepagetext entwickeln.
Sie brauchen einen Flyer für Ihre Öffentlichkeitsarbeit.
Sie sollen für Ihre Abschlussarbeit ein Exposé schreiben.
Sie möchten Methoden gegen Schreibprobleme kennen lernen.
Sie brauchen Hilfe bei der Textkorrektur.
Sie möchten alle Gebrauchsmöglichkeiten des Wortes kennen lernen.
Sie glauben, dass es Zeit ist, mit dem Schreiben zu beginnen.

Kirsten Alers

Schreibpädagogin seit 1993
Diplompädagogin
Literacy Manager
Journalistin

Fachbuch zur Schreibgruppen­pädagogik

Kirsten Alers: Schreiben wir! Eine Schreibgruppenpädagogik
Erschienen im Schneider Verlag Hohengehren
2. korrigierte Auflage 2018, ISBN 978-3-8340-1874-8


Schreib-Blog

16. September 2019

CONNEX I/O – mitmachen!

Kollaboratives Schreiben 4.0

Donnerstag, 12. 9., es ist 19.07 Uhr, Schummerlicht, die Laptops und Tablets summen, Angelika und Klaus klappen ihre Laptops auf, Sabine setzt sich mit ihrem Schreibheft etwas abseits, ich bekomme eine kurze Einführung in ein Tablet, drei weitere Menschen haben sich uns gegenüber an die Laptops im Untergeschoss des Kunsttempels gesetzt. Ich bin ein bisschen aufgeregt.
„Der Kunsttempel wird in diesem Jahr 20 Jahre alt. Und wir feiern die Sprache“, sagt Friedrich Block, Vorsitzender des Vereins Literatur und Kunst, der auch für die aktuelle Ausstellung Poeisis – Sprachkunst verantwortlich zeichnet. „Kollaboratives Schreiben war vor 20 Jahren auch schon ein wesentlicher Punkt digitaler Kunst.“ Kollaboratives Schreiben ist das Stichwort für Sascha Pogacar. Mit Matze Schmidt hat er dazu eingeladen, an diesem Donnerstagabend Texte zu mischen, zu samplen. Eingeladen sind wir, uns an CONNEX I/O zu beteiligen, einer offen zugänglichen Plattform, auf der in 100 ,Schreibzimmern’ unbeschränkt, unzensiert und gleichzeitig Menschen schreiben, löschen und ergänzen können. Löschen?
Nur drei aus der Donnerstagsschreibwerkstatt haben sich auf dieses Experiment einlassen können, insbesondere die Möglichkeit, dass Störungen, Überschreibungen, Hineinschreibungen und eben auch Löschungen dem eigenen Text ,zugefügt’ werden können, hat wohl einige abgeschreckt. „Das Verfahren verflüssigt das Monolitische, das Texte oft haben“, sagt Sascha. Matze lacht und sagt: Manchmal entstehen battles, ich mag das!“
Ich habe schon längst begonnen, habe mich in Zimmer Nr. 54 eingeloggt, dann gehe ich zu Nr. 11, 007, 085. Äh, Momnent mal, wer mischt denn da mit, also, ich kann nicht richtig schreiben, da setzt jemand immer wieder Wörter in meinen Text, wer das ist, weiß ich nicht, Pokerfaces, ich denke an die battles, will ich nicht, logge mich aus, atme durch. Im Vorfeld hatte ich mir überlegt (nach einer Konzept-Idee von Aneke, die sich 100 Fragen ausdachte und in jedes der Schreibzimmer eine davon positionierte), mal Nomen durch andere Nomen zu ersetzen, mal Subtextsätze hinter jeden vorhandenen Satz zu schreiben, mal alle Adjektive zu streichen – dazu komme ich gar nicht, meine konzeptionellen Überlegungen werden torpediert. Ich muss umdisponieren.
Man kann sehen, in welchem Zimmer in diesem Moment wie viele Personen aktiv sind, ich wähle das mit den meisten Aktiven, will mitmischen, mischen, samplen, battlen vielleicht gar ... In Nr. 21 sind drei aktiv, ich logge mich ein. Lese Anekes Eingangsfrage, lasse mich leiten, ziehen von dem, was ich finde, assoziiere, wiederhole, assoziiere, gehe in Resonanz, spiele, mische mit ... Heute, am Sonntag, den 15. 9., schaue ich nach, was dort jetzt steht, wieder ist es 19.07 Uhr, ich finde Folgendes:

Was formt sich in Dir?
Eine meiner Ankündigungen setzt Sprache und Schrift in ein rosa Spannungsfeld.

, decollage, Stempeldruck, Fotografie bis zu computerprogrammen. In Form von text-Bild-Partituren sind auch Verbindungen zur akustischen dich-tung und musik gegeben. gerade in einer Zeit der Bilderflut und der Mens ist es von Interesse, text-Bild-Verbindungen ungerührt zu erforschen, kritisch zu feiern, poetisch zu erproben und spielerisch auszukotzen

eine heiratsfähige Frau
eine Tür
eine Kampfarena
ein Teekessel
Ein Glas Wasser
eine Straße
eine verschlossene Tür
ein nicht-heiratsfähiger Mann

Collagen

collagen

also, assoziazohnen sind gefährliche
Dinge? gerechte dinge genormte dinge bekloppte behaemmerte bediente besorgte betende blasse dinge bruenftige dinge blendende beruehrende balabala balabala dinge buersten borsten bier bor bass bratpfanne baeren beeren becken boden balken barren

Assoziazonen – was geschieht wohl in diesen Gebieten? Sie sind wohl extrem gefährlich ...

Und in Zimmer Nr. 85 steht heute Abend Folgendes:

Was von Deinen Träumen läßt sich jetzt umsetzen?
die r-ä-u-m-e dazwischen

Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel sind in allen ihren Formen verboten.
lose enden rote und blaue faeden und enden faeden und gewebe und texturen und vergebliche versuche alleine zu weben wollte ich nicht immer eine egalitare tafelrunde ohne artus und ohne ritter und ohne koenige wollte wollte will will und ein gewebe mit vielen die sich verbinden im vergleichlosland ohne leibeigenschaft ohne sklavenhandel 400 jahre 400 4000 40000 jahre patriarchat und und und und ohne tafelrunden und gewebtes gewebe

Ich habe einige Leerzeilen und Steuerzeichen gelöscht, sonst nichts geändert. Morgen ist mein Text (jeweils in Orange) – noch ist er da – vielleicht nicht mehr da ...
CONNEX I/O gibt es schon seit 1997, in dieser Form des offenen experimentellen Forums ist es noch bis Ende Oktober nutzbar. Ich rufe auf zum Mitmachen, die Erfahrung ist eine spannende. Hier geht’s lang.

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