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... eine Gruppe Gleichgesinnter in Sachen Schreiben.
Sie träumen davon, ein Kinderbuch oder eine Autobiografie zu schreiben.
Sie wollen schreibend äußere und innere Landschaften erkunden.
Sie stocken in der Mitte einer Facharbeit oder einer Kurzgeschichte.
Sie müssen für Ihre Firma einen Homepagetext entwickeln.
Sie brauchen einen Flyer für Ihre Öffentlichkeitsarbeit.
Sie sollen für Ihre Abschlussarbeit ein Exposé schreiben.
Sie möchten Methoden gegen Schreibprobleme kennen lernen.
Sie brauchen Hilfe bei der Textkorrektur.
Sie möchten alle Gebrauchsmöglichkeiten des Wortes kennen lernen.
Sie glauben, dass es Zeit ist, mit dem Schreiben zu beginnen.

Kirsten Alers

Schreibpädagogin seit 1993
Diplompädagogin
Literacy Manager
Journalistin

Fachbuch zur Schreibgruppen­pädagogik

Kirsten Alers: Schreiben wir! Eine Schreibgruppenpädagogik
Erschienen im Schneider Verlag Hohengehren
2. korrigierte Auflage 2018, ISBN 978-3-8340-1874-8


Schreib-Blog

20. Mai 2019

Spiele mit dem Konjunktiv (3)

... dass es wahr wäre ...

Anschließend an die Blog-Einträge vom 8. April und 13. Mai 2019 und möchte ich noch einmal zum Spielen mit dem Konjunktiv aufrufen und als Beispiel zum lustvollen Nachahmen einen (berühmten) Satz von Heinrich von Kleist (1777–1811) aus dem ersten Kapitel seiner Novelle Die Marquise von O... zitieren: „Der Graf setzte sich, indem er die Hand der Dame fahren ließ, nieder, und sagte, dass er, durch die Umstände gezwungen, sich sehr kurz fassen müsse; dass er, tödlich durch die Brust geschossen, nach P... gebracht worden wäre; dass er mehrere Monate daselbst an seinem Leben verzweifelt hätte; dass während dessen die Frau Marquise sein einziger Gedanke gewesen wäre; dass er die Lust und den Schmerz nicht beschreiben könnte, die sich in dieser Vorstellung umarmt hätten; dass er endlich, nach seiner Wiederherstellung, wieder zur Armee gegangen wäre; dass er daselbst die lebhafteste Unruhe empfunden hätte; dass er mehrere Male die Feder ergriffen, um in einem Briefe, an den Herrn Obristen und die Frau Marquise, seinem Herzen Luft zu machen; dass er plötzlich mit Depeschen nach Neapel geschickt worden wäre; dass er nicht wisse, ob er nicht von dort weiter nach Konstantinopel werde abgeordert werden; dass er vielleicht gar nach St. Petersburg werde gehen müssen; dass ihm inzwischen unmöglich wäre, länger zu leben, ohne über eine notwendige Forderung seiner Seele ins Reine zu sein; dass er dem Drang bei seiner Durchreise durch M..., einige Schritte zu diesem Zweck zu tun, nicht habe widerstehen können; kurz, dass er den Wunsch hege, mit der Hand der Frau Marquise beglückt zu werden, und dass er auf das ehrfurchtsvollste, inständigste und dringendste bitte, sich ihm hierüber gütig zu erklären.“
Der Konjunktiv ist eine wunderbare grammatische Form – mit ihm lassen sich Möglichkeit und/oder Unwahrscheinlichkeit ausdrücken. Aus der mündlichen Kommunikation ist er weitgehend verschwunden bzw. werden meistens die Konjunktivformen der Verben durch das Wörtchen würde (auch ein Konjunktiv, nämlich von werden) ersetzt, oder es wird einfach der Indikativ (vor allem in der indirekten Rede) benutzt. Nun, das ist ja nicht schlimm, es zeugt auch nicht von Ungebildetsein – es zeugt erst einmal nur von der Veränderung von alltagssprachlicher Kommunikation. Im Schriftsprachlichen allerdings hat der Konjunktiv durchaus seine Funktion (zu haben).
Ich vertrete die Ansicht, dass Schreibende die Reichtümer der Sprache und ihre konventionelle Verwendung kennen sollten, um die Chance zu haben, Nuancen auszudrücken. So kann beispielsweise eine Verwendung des Konjunktivs in der wörtlichen Rede einer Figur in einer Erzählung à la von Kleist sehr viel über den Charakter oder die Herkunft etc. dieser Figur zum Ausdruck bringen, ohne dass explizit gesagt werden muss, dass diese Figur z. B. ein Altphilologe ist.

Quelle und Literaturtipp:
Steinfeld, Thomas (2010): Der Sprachverführer. Die deutsche Sprache: was sie ist, was sie kann. München: Carl Hanser Verlag

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